Skip to content

Karl-Marx-Hof: Geschäfte barrierefrei gestalten

Karl-Marx-Hof: Geschäfte barrierefrei gestalten published on

Text: Pepo Meia, Niels Cimpa
Für ein barrierefreies Wien und ein inklusives Miteinander
Als der Karl-Marx-Hof (KMH) vor rund 90 Jahren gebaut wurde, war Barrierefreiheit noch kein Thema, obwohl der Erste Weltkrieg noch gar nicht solange zu Ende war. Mit über einem Kilometer, ist er weltweit der längste zusammenhängende Wohnbau. Geschäftslokale, Kindergärten, Arztpraxen etc. sind im KMH angesiedelt – jedoch nicht zugänglich für mobilitätseingeschränkte Personen. Dies sollte sich ändern.

Wie auf den Fotos zu erkennen, ist die Gehsteigbreite mehr als ausreichend (ca. fünf Meter), um Rampenlösungen für alle Geschäfte zu ermöglichen. Für ein einzelnes Geschäft ist es fast unmöglich einen normgerechten barrierefreien Zugang herzustellen. Deshalb braucht es eine einheitliche Lösung, wobei auch Bundesmittel für so ein Projekt zur Verfügung gestellt werden müssten.

    

In einem der Geschäftslokale sind die Wohnpartner beheimatet. Diese haben ein normgerechtes Behinderten-WC, jedoch ist der Zugang nur über eine mobile, nicht normgerechte Rampe möglich. Ein Mitarbeiter erzählte uns, dass er sich beim Auslegen der mobilen Alu-Rampe den Finger eingezwickt hat. Außerdem ist sie nicht fixierbar.

  

Eine normgerechte Rampe parallel zur Hauswand (120 cm breit) für alle Geschäfte, würde das Problem lösen. Die Kosten sind wohl überschaubar.

 

Dieses Projekt müsste vom Hauseigentümer (Stadt Wien – Wiener Wohnen) ausgehen und nicht von den einzelnen Geschäften, denn wenn ein Geschäft nicht „mitspielt“ ist das ganze Projekt „gestorben“. Bei Realisierung wäre dies ein Vorzeige-Beispiel für ein inklusives Miteinander.

SLIÖ: Fragen und Antworten zur Behindertenpolitik Nationalratswahl-Wahl 2019

SLIÖ: Fragen und Antworten zur Behindertenpolitik Nationalratswahl-Wahl 2019 published on

Text: SLIÖ
Was dürfen wir für die zukünftige Behindertenpolitik erwarten?
Anlässlich der Nationalratswahl am 29. September 2019 hat SLIÖ – Selbstbestimmt Leben Österreich an die zum Nationalrat kandidierenden Parteien, neun Fragen zu zentralen Themen der Behindertenpolitik in Österreich gestellt.

Die kandidierenden Parteien wurden von SLIÖ gebeten, in kurzer und prägnanter Form und mit Ja/Nein zu antworten. 

Frage 1 – zu Persönlicher Assistenz
Frage 2 – zur Wohnbauförderung und Barrierefreiheit
Frage 3 – zur Gewerbeordnung und Barrierefreiheit
Frage 4 – zu Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch bei Diskriminierung
Frage 5 – zu Erhöhung der Ausgleichstaxe
Frage 6 – zu Lohn statt Taschengeld
Frage 7 – zu schulischer Inklusion
Frage 8 – zu De-Institutionalisierung
Frage 9 – zu Staatssekretariat für Fragen von Menschen mit Behinderungen

Bis jetzt liegen die Antworten (in der Reihenfolge des Einlangens) von den GRÜNEN, der SPÖ, NEOS, JETZT, ÖVP und FPÖ vor, die SLIÖ auf seiner Website sliö.at veröffentlicht hat. Die FPÖ antwortete erst nach einer neuerlichen Bitte unsererseits. Die Antworten von KPÖ und WANDEL sind noch nicht eingelangt und werden bei Eintreffen nachgetragen.

SLIÖ fordert von der neuen Regierung, dass endlich parteiübergreifend gehandelt wird, damit es tatsächlich zu brauchbaren Lösungen kommt.

“Ein wichtiger Schritt wäre die Einrichtung eines Staatssekretariats für die Anliegen von Menschen mit Behinderungen im Bundeskanzleramt. Damit könnte die politische Verantwortung endlich ressortübergreifend und bundesweit einheitlich wahrgenommen werden“, ist die Vorsitzende Bernadette Feuerstein überzeugt.

Rudolf Hundstorfer verstorben

Rudolf Hundstorfer verstorben published on

Text: Pepo Meia, Niels Cimpa
Wie viele Medien schon berichtet haben, ist der ehemalige SPÖ-Sozialminister Rudolf Hundstorfer am 20. August 2019 während seines Urlaubs in Kroatien im 68. Lebensjahr an einem Herzinfarkt verstorben. Er galt als unbelohnter Krisenmanager (siehe BAWAG Rettung).

Auf uns wirkte Hundstorfer bei Interviews und Veranstaltungen sehr freundlich und professionell – war aber nicht unbedingt als Gewerkschaftsboss und Sozialminister beliebt, da er Kompromisse eingehen musste. Wir waren auch nicht überrascht, dass Rudi Hundstorfer – wie auch Andreas Khol (ÖVP) – bei der Präsidentschaftswahl schon im ersten Durchgang ausgeschieden ist.

Am 27. Aug 2013 befragte Pepo Meia den damaligen Arbeits- und Sozialminister bei einer Podiumsdiskussion über die nicht barrierefreie SP-Parteizentrale in Wien und zu der Tatsache, dass die SPÖ noch nie im Parlament durch einen Menschen mit Behinderung vertreten war (Link CBA – Beitragslänge 4:21 Min).

Martin Ladstätter (Obmann von BIZEPS) fasst in seinem Nachruf auch die behindertenpolitischen Schattenseiten des gestandenen Sozialdemokraten zusammen.

Schanigarten wird 2020 barrierefrei sein

Schanigarten wird 2020 barrierefrei sein published on

Text: Pepo Meia, Niels Cimpa
Eissalon Veganista – Stellungnahme der Geschäftsführung
Wie in BMIN-Info berichtet, gibt es seit Anfang März 2019 in der Döblinger Hauptstraße 57 einen neuen Veganista-Eissalon mit dazugehörigem Schanigarten, der leider eine ca. 10 cm hohe Stufe hat (siehe Foto). Die Geschäftsführung bedauert dies und verspricht für 2020 einen barrierefreien Schanigarten.

Die Stellungnahme von Veganista im Wortlaut:
„Wir bedauern es sehr, dass der Schanigarten unseres Geschäftes auf der Döblinger Hauptstrasse aktuell nicht barrierefrei zugänglich ist. Dieser wurde eigentlich ohne Stufe geplant, aber dann leider falsch aufgestellt. Für die nächste Saison werden wir sicherstellen, dass dieser in korrekter Weise, eben mit der Gehsteigkante, aufgebaut wird und dann auch wirklich für jeden zugänglich ist.“

Wir bedanken uns für die positive Reaktion!

BMIN-Artikel vom 31. Mai 2019:
Wird Schanigartenleitfaden ignoriert?
Eissalon Veganista: Neuer Schanigarten für Rollstuhlnutzer nicht zugänglich

Schanigarten: Vandalensicher aber nicht barrierefrei

Schanigarten: Vandalensicher aber nicht barrierefrei published on

Text: Pepo Meia, Isabella Krapf
Ein barrierefreies Zusammenleben erfordert barrierefreies Denken
Immer mehr Menschen mit Behinderung sind auf Österreichs Radwegen unterwegs, sei es mit E-Rollstühlen, Handbikes, aber auch Rollatoren. Die sogenannten „Radler-Raststätten“ sollten auch für diese Bevölkerungsgruppe ausgerichtet sein. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind offensichtlich nicht ausreichend.

 

Europas größter Radweg führt den Donaukanal entlang über Klosterneuburg die Donau hinauf bis nach Passau. Auf dem Radweg führen viele Raststätten einen sogenannten Schanigarten, wo man auch gemütlich essen kann.
In Nussdorf, bei der Donaupromenade, gibt es zwei traditionelle Gastwirte: „Käptn Otto“ und den „Donaufritzi“, der auch Radreparaturen durchführt. Seit Anfang des Jahres hat der „Donaufritzi“ einen neuen Pächter, der auch sein Speisesortiment erweitert hat.

Ausgrenzung durch „vandalensichere“ Tische
Es ist uns selbst lange nicht aufgefallen, dass man als Rollstuhlnutzer bei den „vandalensicheren“ Tischen nicht sitzen und somit auch nicht essen kann. Die Sitzbänke sind mit den Tischen verbunden und die Kopfenden der Tische werden durch Mistkübel oder Sonnenschirme blockiert. 

Der neue Gastwirt vom „Donaufritzi“ war erfinderisch und hat einen Sonnenschirm abmontiert. Trotzdem kann man den Tisch als Rollstuhlnutzer nicht unterfahren (siehe Fotos). Wenn sich mehrere „Rollis“ dort treffen wollen, können sie nicht wie jeder andere am Tisch sitzen. Dies ist eine klassische bauliche Diskriminierung.

 

Beim „Käptn Otto“ ist zumindest ein Platz pro Tisch für einen Rollstuhlnutzer geeignet.

 

Lösungsvorschlag: Zwei quadratische Tische (unterfahrbar und mit einem Rollstuhlsymbol gekennzeichnet) am Boden fixieren und bei Bedarf Sessel dazustellen (geeignet für sechs Personen).

Sind Menschen mit Behinderung „schlechte Kunden“?
Das oft gehörte Argument, dass diese Bevölkerungsgruppe zu klein und der materielle Aufwand zu groß wäre, können wir so nicht gelten lassen. Finanzielle Mittel für Menschen mit Behinderung wurden im letzten Jahrzehnt radikal gekürzt. Förderungen für Barrierefreiheit wurden immer weniger – dies betrifft auch die Gastronomie. Auch medial werden Menschen mit Behinderung oft zu Bittstellern und Sozialschmarotzern degradiert (siehe diverse Spendenaktionen).

Wer hat den „schwarzen Peter“?
Es wäre unfair den “schwarzen Peter“ ausschließlich den Gastronomen zuzuschieben – vor allem, da die Situation nicht nur mit den Schanigärten schon viele Jahre so besteht. Wir wollen mit diesem Beispiel aufzeigen, dass bisherige mediale Sensibilisierungsmaßnahmen Ausgrenzung nicht verhindert haben. Außerdem hören wir auch von Aktivist_innen und sehen es selbst immer wieder, dass bisherige Verbesserungen für mobilitätseingeschränkte Personen wieder rückgängig gemacht werden. Dies kann nur gesetzlich unterbunden werden.

ÖBR: Aktualisiertes Positionspapier

ÖBR: Aktualisiertes Positionspapier published on

Text: ÖBR
Der Österreichische Behindertenrat (ÖBR) hat im August anlässlich der Nationalratswahl am 29. September 2019 sein Positionspapier zu den wichtigsten Belangen von Menschen mit Behinderungen aktualisiert:
2019 Positionspapier lang.PDF
2019 Positionspapier kurz.PDF
Auf über 30 Seiten wird die Lage der österreichischen Behindertenpolitik dargelegt und Forderungen gestellt.

Anm.: Der Österreichische Behindertenrat (ÖBR) – vormals Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR) – vertritt als Dachorganisation über 80 Mitgliedsorganisationen (Behindertenverbände). Als Interessenvertretung für 1,4 Millionen Menschen mit Behinderungen setzt sich der Behindertenrat national und international für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein.

Neues Amtshaus barrierefrei mit kleinen Mängeln

Neues Amtshaus barrierefrei mit kleinen Mängeln published on

Text: Pepo Meia, Niels Cimpa
Wien Döbling: Seit dem 1. Juli 2019 ist das neue Amtshaus in der Grinzinger Allee 6 auch für die Öffentlichkeit barrierefrei zugänglich und sogar mit zwei Behinderten-WCs ausgestattet. Der zweite Ausgang in der Pfarrwiesengasse 23C ist auch über großzügig angelegte Rampen erreichbar.

Wir waren etwas überrascht, dass die Bezirksvorstehung Döbling lediglich im Erdgeschoss eines Wohnhauses angemietet ist. Der Festsaal, in dem das „Bezirksparlament“ tagt, ist noch nicht ganz fertig.

Ein Behinderten-WC mangelhaft
Beide Behinderten-WCs sind mit Euroschlüsselsystem ausgestattet. Eine WC-Anlage mit Wickeltisch und auch beidseitig mit einem Rollstuhl anfahrbar. Beim zweiten Behinderten-WC ist die Platzaufteilung äußerst mangelhaft. Den Seifenspender kann man nicht erreichen. Auch das große Rehabecken (Waschbecken) nimmt unnötig Platz weg (kleiner Wendekreis für Rollstühle). Ein beidseitiges Zufahren ist unmöglich, da auf der einen Seite das Rehabecken, auf der gegenüberliegenden Seite ein Toilettkasterl mit Rädern im Weg steht. Solche Fehler sollten Profis nicht passieren und müssen rasch korrigiert werden. Bausachverständige können vermutlich noch einiges am Behinderten-WC beanstanden. Sonst ist uns nichts Negatives aufgefallen.

Schade ist außerdem, dass viele Lokalitäten in unmittelbarer Nähe nicht barrierefrei zugänglich sind. Der Nobelbezirk Döbling hat bezüglich inklusives Miteinander noch viel Aufholbedarf. Auch die S45 Station Oberdöbling ist zwar mit Aufzug zugänglich, jedoch nur bedingt für Rollstuhlnutzer (große Stufe beim Ein- und Aussteigen – siehe BMIN-Info „ÖBB „TALENT“: Rollstuhlnutzer vergessen?“).

Lokalumbau – Rampe weg

Lokalumbau – Rampe weg published on

Text: Pepo Meia, Niels Cimpa
Nach Lokalumbau ist die Behindertenrampe durch Stufen ersetzt worden
Wien Döbling: Im Dezember 2015 konnten wir einen Erfolg vermelden. Wie im BMIN-Artikel „Barrierefreie Geschäfte: Wer kontrolliert?“ berichtet, war das indische Restaurant GOA, 19.; Heiligenstädter Straße 115, nur über Stufen zugänglich. Ende November 2015 wurden die Stufen durch eine Rampe ersetzt (BMIN-Erfolg: Restaurant GOA – Rampenlösung).

Wieder ausgegrenzt und diskriminiert
Nach nicht einmal vier Jahren, ist die Behindertenrampe durch zwei Stufen ersetzt worden (siehe Fotos) – trotz Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz, das auch schon fast drei Jahre bundesweit gültig ist. Auch die UN-Behindertenrechtskonvention wird negiert.

Rampenbau zumutbar?
Ist es bei Neuübernahmen und Umbauten zuzumuten, eine normgerechte Behindertenrampe errichten zu lassen, damit auch mobilitätseingeschränkte Personen ein Lokal betreten können? Wir haben nachgemessen. Der Gehsteig ist über drei Meter breit. Ein normgerechter Rampenbau ist durchaus möglich. Die MA 28 sollte eine Bewilligung für den Rampenbau erteilen. Eine Betriebsbewilligung dürfte einem Lokal mit Stufen und ohne Behinderten-WC nach unserer Meinung nicht erteilt werden, vor allem, wenn die diesbezüglichen Rahmenbedingungen passen.

 

Anm.: Unsere Recherchen haben ergeben, dass die Behindertenrampe seinerzeit rechtswidrig errichtet wurde, da sie in den Gehsteig hineingeragt hat (siehe Fotos). Deshalb musste sie entfernt werden. Bei der zuständigen MA 28 ist bisher noch kein Antrag für einen Rampenbau gestellt worden. Der neue Inhaber bzw. der Hauseigentümer muss diesen Antrag stellen, da sonst vermutlich keine Betriebsbewilligung erteilt wird.

Kein Rechtsanspruch auf Beseitigung von Barrieren?
Durch das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz ist es zwar möglich, dass Einzelpersonen wegen mangelnder Barrierefreiheit vor Gericht gehen. Mit einer Privat-Klage könnten diese jedoch nur erreichen, dass sie Schadenersatz erhalten und nicht die Beseitigung der Barrieren. Man könnte dies sogar als „Alibigesetzgebung“ bezeichnen. Außerdem stellt dies eine Verletzung der UN-Behindertenrechtskonvention dar.

Forscher hacken NFC-Höchstgrenze

Forscher hacken NFC-Höchstgrenze published on

Text: Pepo Meia, Niels Cimpa
Betrug über NFC-Schnittstelle möglich
Kontaktlos bezahlen mit einer Bankkarte oder per Handy wird immer beliebter. Bei Bankkarten mit NFC-Funktion muss kein Code eingegeben werden, wodurch man an der Kasse Zeit spart. Nun zeigen Forscher, dass die Höchstgrenze einfach umgangen werden kann.

Wie Christoph „Burstup“ Weiss auf fm4.orf.at berichtet, haben zwei britische Forscher es geschafft das NFC-Limit bei Kreditkarten auszuhebeln. Für die Datenübertragung zwischen Karte und Bezahlterminal kommt eine Technologie namens Near Field Communication (NFC) zum Einsatz. Ganz risikolos war sie schon bisher nicht, denn günstige mobile Bezahlterminals gibt es um wenige Euro zu kaufen und können auch von Dieben missbraucht werden. Kleine Beträge können aus wenigen Zentimetern Entfernung berührungslos von der Karte gezogen werden – sogar während die Karte im Geldbörsel in der Hosentasche steckt. Eine gute Videodemonstration dazu gibt es von c’t-Redakteur Jan-Keno Janssen hier.

    NFC-fähige Karten erkennt man an diesem Symbol

Sicherheitslimit gehackt
In Österreich beträgt die Höchstgrenze für kontaktlose Zahlungsvorgänge 25 Euro, in Großbritannien 30 Pfund, in der Schweiz 40 Franken. Zwei britische Sicherheitsforscher haben nun einen Weg gefunden, dieses Limit für das kontaktlose Bezahlen bei zumindest einem Kreditkarten-Anbieter zu überschreiten.
Der Hack funktioniert mittels eines Geräts, das sich in die – schlecht gesicherte – Funkkommunikation zwischen NFC-Kreditkarte und NFC-Bezahlterminal einklinkt. Es setzt die beiden dort existierenden Sicherheitschecks außer Kraft.

Auch bei Handy-Zahlungen
Der Hack funktioniert wie folgt: Der Bankkarte wird vorgetäuscht, dass keine PIN-Eingabe nötig sei. Dem Lesegerät wird vermittelt, dass sich der Kunde bereits identifiziert habe. Der Hack funktioniert außerdem auch bei Smartphone-Payment-Systemen, die mit einer Kreditkarte verknüpft sind: statt der PIN-Eingabe können dann auch biometrische Verifizierungsmethoden wie Fingerabdruck und Gesichtserkennung übersprungen werden.

Betrug über NFC-Schnittstelle möglich
Wie Forbes.com berichtet, weiß die Kreditkartenfirma Visa über den Hack bescheid. Derzeit sei jedoch keine Massnahme geplant, um die Sicherheit zu erhöhen. «Eine wesentliche Einschränkung bei dieser Art von Angriff ist, dass eine physisch gestohlene Karte dafür notwendig ist», sagte ein Sprecher des Konzerns.
Doch dies ist nicht der Fall. Denn die Forscher haben gezeigt, dass alle nötigen Informationen für einen allfälligen Betrug über die sogenannte NFC-Schnittstelle abgefangen werden können.

Drei Methoden, um sich zu schützen
Tipp 1: Die Karte bei der Bank oder Kreditkartenfirma gegen eine andere ohne NFC-Funktion tauschen lassen. Bisher haben zumindest die österreichischen Banken noch welche herausgegeben. Ob das auch in Zukunft so bleiben wird, ist fraglich, da Karten ohne NFC-Funktion vielleicht bald nicht mehr hergestellt werden.
Anm.: Bei der BAWAG-PSK ist dies nicht mehr möglich (siehe Artikel zum Thema).

Tipp 2: Es kann helfen, mehrere NFC-fähige Karten ins Geldbörsel stecken. Für das Bezahlterminal eines Angreifers ist es dann schwierig, die verschiedenen Funksignale auseinanderzuhalten. Garantie dafür, dass das funktioniert, gibt es aber keine. Auf jeden Fall sollten die Karten im Börsel direkt aufeinander liegen. Unter Umständen pickt sich das Bezahltermimal trotzdem eines der Signale heraus.

Tipp 3: Sicherer ist es, die Karte in eine der zahlreich vorhandenen NFC-Schutzhüllen zu stecken.

Zwangsbeglückung durch Debitkarte?
Wie help.orf.at berichtet, gibt es in Österreich seit Kurzem eine neue Karte zum Geldabheben, die die bisherige Bankomatkarte ersetzt: die Debitkarte. Ausgegeben von Erste Bank und Sparkassen kann die neue Karte, eine Mischung aus Bankomat- und Kreditkarte, auch für Onlinezahlungen verwendet werden. Bezahlt man in der jeweiligen Landeswährung fallen allerdings – wie bei einer Kreditkarte auch – Gebühren an.

Karte gut aufbewahren
Die breiteren Einsatzmöglichkeiten machen die Karte aber auch für Kriminelle interessanter, warnt Bernd Lausecker, zuständig für Finanzdienstleitungen beim Verein für Konsumenteninformation (VKI).

„Es reicht die Kartennummer der Debitkarte, um online einzukaufen. Deswegen sollte diese Kartennummer immer sensibel behandelt werden“, so Lausecker. Zudem rät er Debitkarten-Besitzern die Bewegungen auf ihrem Girokonto genau zu beobachten, um zu schauen, ob es eventuell zu einer missbräuchlichen Verwendung der Karte gekommen ist oder ob zu Unrecht Gebühren verrechnet wurden.

Anm.: Für die Verwendung einer sogenannten Debitkarte sollte für die Kunden Wahlmöglichkeit bestehen. Viele Kunden wollen das zusätzliche Risiko nicht eingehen. Es gibt auch jetzt schon die Möglichkeit Onlinezahlungen mit einer Pre-Paid-Karte (aufladbare Kreditkarte – das Risiko beschränkt sich dabei lediglich auf den aufgeladenen Betrag und nicht auf das ganze Konto) zu tätigen.

Die erweiterten Funktionen bringen auch Nachteile für die Konsumenten – ohne, dass diese gefragt werden. Diese Zwangsbeglückung ist konsumentenschutzrechtlich zu hinterfragen. Gerade in so sensiblen Bereichen sollte der Gesetzgeber regulierend eingreifen. 

BMIN fordert eine gesetzliche Verankerung der Wahlfreiheit, ob man eine Bankkarte mit oder ohne NFC-Funktion haben möchte. Die meisten österreichischen Parteien befürworten diese Forderung (siehe Artikel zum Thema).

Artikel zum Thema:
BAWAG-PSK: Keine Wahlmöglichkeit für Bankomatkarte mit NFC–Funktion (BMIN-Info vom 28.11.2018)
Sicherheitsrisiko: Bankomatkarte mit NFC–Funktion (BMIN-Info vom 22.11.2018)
Wahlfreiheit Bankomatkarten mit NFC-Funktion – Offener Brief (BMIN-Info vom 18.01.2019)
NFC-Zwangsbeglückung durch die BAWAG-PSK (BMIN-Info vom 18.02.2019)

Bisherige Stellungnahmen zur Wahlfreiheit bzgl. Bankomatkarten mit NFC:
Stellungnahme der Liste JETZT – Wahlfreiheit Bankomatkarten mit NFC-Funktion
Johannes Voggenhuber unterstützt die BMIN-Forderung nach „NFC-Wahlfreiheit bei Zahlungskarten“
GRÜNE gegen NFC-Zwangsbeglückung
NEOS Stellungnahme betreffend NFC-Wahlfreiheit bei Zahlungskarten
KPÖ PLUS – European Left: Für Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr
Schieder: Für NFC-Wahlfreiheit bei Zahlkarten
ÖVP für NFC-Wahlfreiheit und Selbstbestimmung

Hacker kritisiert mangelnde Gesundheitsversorgung durch Kassenärzte

Hacker kritisiert mangelnde Gesundheitsversorgung durch Kassenärzte published on

Text: Pepo Meia, Niels Cimpa
Wiener Gesundheitsstadtrat will Änderungen für Wahlärzte
Wie orf.at berichtet, kritisiert Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) die mangelhafte Versorgung durch Kassenärzte. Immer mehr Jungärzte eröffnen nach ihrer Ausbildung eine Privatpraxis (Wahlarzt ohne Kassenvertrag). „Wir haben so viele Ärzte wie niemals zuvor in der Zweiten Republik und gleichzeitig einen Mangel an Ärzten in der öffentlichen Versorgung. Da kann nicht jeder Arzt, der in einem Spital beschäftigt ist, gleichzeitig eine Wahlarztordination aufmachen“, so Hacker im Radio-Wien-Interview. Ein Lösungsvorschlag wäre eine Kontingentlösung wie in Deutschland.

Bachinger: Massive Versorgungsprobleme
Patientenanwalt Gerald Bachinger: „Wir haben massive Versorgungsprobleme, die sich aber jetzt erst schön langsam abzeichnen. Wir werden in den nächsten Jahren noch größere Versorgungsdefizite bekommen“. Der Vorschlag Hackers sei sinnvoll. Bachinger fordert: „Wir müssen schon beim Studium darauf schauen, dass in Bereichen, wo man die Ärzte braucht, Schwerpunkte gesetzt werden.“

Ärztekammer ist dagegen
Der Vizepräsident der Ärztekammer, Johannes Steinhart, fordert stattdessen, Wahlärzte besser in die öffentliche Versorgung miteinzubinden, denn aktuell sei „eine Versorgung ohne die mehreren Tausend Wahlärzte in Wien undenkbar“.

Menschen mit Behinderung sind verunsichert
Für Menschen mit Behinderung ist eine klaglose öffentliche Gesundheitsversorgung, aber auch genügend barrierefreie Arztpraxen besonders wichtig. Obwohl in den letzten Jahren Verbesserungen eingetreten sind, sind komplett barrierefreie Kassenärzte – vor allem im praktischen Bereich – noch immer „Mangelware“.
Zusätzlich sind sogenannte „Sparmaßnahmen“ und Umstrukturierungen (siehe Zusammenlegungen der Krankenkassen, aber auch die kolportieren horrenden Ausgaben u.a. für die neue E-Card) ein weiterer Verunsicherungsfaktor.

Primary Sidebar