{"id":11469,"date":"2022-10-30T13:45:00","date_gmt":"2022-10-30T12:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/bmin.info\/WP\/?p=11469"},"modified":"2022-11-01T13:46:33","modified_gmt":"2022-11-01T12:46:33","slug":"die-pflegereform-2022-ein-weiteres-fiasko-fuer-die-behindertenhilfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bmin.info\/WP\/2022\/10\/30\/die-pflegereform-2022-ein-weiteres-fiasko-fuer-die-behindertenhilfe\/","title":{"rendered":"Die Pflegereform 2022 \u2013 ein weiteres Fiasko f\u00fcr die Behindertenhilfe"},"content":{"rendered":"\n<p>Text: IVS Wien<br \/>Mit dem Entgelterh\u00f6hungs-Zweckzuschussgesetz 2022 (EEZG) wurde die sogenannten Pflegereform 2022 auf den Weg gebracht, wobei aufgrund der zahlreichen Stellungnahmen und Interventionen kurz vor der endg\u00fcltigen Beschlussfassung im Parlament im Juli 2022 noch \u00c4nderungen vorgenommen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.ivs-wien.at\/ivs-positionen\/positionen.html\">IVS Wien<\/a> hat schon im&nbsp;<a href=\"https:\/\/ivs-wien.at\/ivs-blog\/ivs-wien-kritisiert-pflegereform-ohne-beruecksichtigung-der-behindertenhilfe.html\">&gt;&gt;&gt;Juni<\/a>&nbsp;darauf hingewiesen, dass der Entwurf v\u00f6llig an der komplexen Lebensrealit\u00e4t von Menschen mit Behinderungen und deren Unterst\u00fctzungsbedarfen vorbeigeht und die nun erfolgenden Umsetzungsschritte zeigen, dass auch die vermeintlichen Nachbesserungen an diesem Befund nichts \u00e4ndern. Zwar wurden Heimhelfer*innen und Absolvent*innen einer Ausbildung nach den Sozialbetreuungsberufsgesetzen in die Aufz\u00e4hlung der beg\u00fcnstigten Berufsgruppen mit aufgenommen. Nach wie vor sind aber viele Mitarbeiter*innen, die Betreuungs- und Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr Menschen mit Behinderungen erbringen, nicht von der Reform erfasst und werden deshalb keine Entgelterh\u00f6hung erhalten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ivs_wien_logo-1024x576-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ivs_wien_logo-1024x576-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11480\" width=\"256\" height=\"144\" srcset=\"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ivs_wien_logo-1024x576-1.jpg 1024w, https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ivs_wien_logo-1024x576-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ivs_wien_logo-1024x576-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ivs_wien_logo-1024x576-1-144x81.jpg 144w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich ergeben sich Konstellationen, die absurder nicht sein k\u00f6nnten und viel Unmut hervorrufen werden. So haben z.B. zwei Kolleg*innen, eine Psycholog*in und eine Fachsozialbetreuer*in Behindertenbegleitung die gleiche Grundqualifikation in Sachen Pflege, n\u00e4mlich das sogenannte UBV Modul nach dem GuKG, das sie erm\u00e4chtigt, bestimmte pflegerische Leistungen im Rahmen der Behindertenhilfe durchzuf\u00fchren. Nun wird es so sein, dass die Fachsozialbetreuer*in in den Genuss der Entgelterh\u00f6hung nach dem EEZG kommt, die Psycholog*in allerdings nicht. Die beiden haben also die gleiche (pflegerische) Qualifikation, \u00fcben die gleiche T\u00e4tigkeit, unterst\u00fctzen dieselben Menschen mit Behinderungen und werden in Zukunft unterschiedlich bezahlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Je nach Personalstruktur und Zielgruppen werden in den Organisationen der Behindertenhilfe unterschiedlich viele bzw. wenige Mitarbeiter*innen eine Entgelterh\u00f6hung erhalten (das reicht von \u00fcber 80% bis zu unter 10%). Es wird auf jeden Fall zwei Klassen von Mitarbeiter*innen mit allen damit verbundenen Konsequenzen geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus bleiben auch Pers\u00f6nliche Assistent*innen, von denen ja die wenigsten \u00fcber eine pflegerische Qualifikation im Sinne des EEZG verf\u00fcgen, einmal mehr au\u00dfen vor, obwohl sie \u2013 unter Anleitung der Assistenznehmer*innen \u2013 z.T. sehr komplexe pflegerische Leistungen erbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile gibt es fast 20 Jahre einen Kollektivvertrag f\u00fcr die Sozialwirtschaft in diesem Land, dessen Gehaltsschema die Mitarbeiter*innen zumindest in den Grundz\u00fcgen sinnvollerweise nicht nach ihren Qualifikationen, sondern nach ihren T\u00e4tigkeiten einstuft. Die Politik hat es immer noch nicht geschafft, diese Logik nachzuvollziehen und tickt weiterhin in berufsrechtlichen Bahnen. Auch die Gewerkschaft hat dem offensichtlich nichts entgegenzusetzen, ebenso wenig wie die Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderungen und der Dienstleistungsorganisationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hinblick auf eine Nachfolgeregelung f\u00fcr das EEZG (es gilt f\u00fcr 2022 und 2023) sollte es ein Anliegen aller Beteiligten sein, gemeinsam darauf hinzuwirken, dass alle Mitarbeiter*innen der Behindertenhilfe eine Entgelterh\u00f6hung erhalten. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Interessensvertretungen von Menschen mit Behinderungen, Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen in vielen Punkten nicht einer Meinung sind, in diesem Punkt allerdings sollten sie wirklich an einem Strang ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text: IVS WienMit dem Entgelterh\u00f6hungs-Zweckzuschussgesetz 2022 (EEZG) wurde die sogenannten Pflegereform 2022 auf den Weg gebracht, wobei aufgrund der zahlreichen Stellungnahmen und Interventionen kurz vor der endg\u00fcltigen Beschlussfassung im Parlament im Juli 2022 noch \u00c4nderungen vorgenommen wurden. 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