{"id":3529,"date":"2010-08-17T15:32:15","date_gmt":"2010-08-17T14:32:15","guid":{"rendered":"http:\/\/e8070000-6b1e-444a-9ef9-e3d75dc4cd8d"},"modified":"2019-07-25T09:50:16","modified_gmt":"2019-07-25T08:50:16","slug":"die-krankenkasse-bittet-die-betroffenen-zur-kasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bmin.info\/WP\/2010\/08\/17\/die-krankenkasse-bittet-die-betroffenen-zur-kasse\/","title":{"rendered":"Die Krankenkasse bittet die Betroffenen zur Kasse"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Zeiten sind hart, das Geld wird knapp. Der Staat muss sparen, um die Systeme zu retten, die Banken zu retten, unseren Wohlstand zu sichern; und das m\u00f6glichst ohne jenen weh zu tun, die wirklich etwas zu verlieren h\u00e4tten.&nbsp;<\/b><\/p>\n<p>Ein Kommentar von Pepo Meia<\/p>\n<p>Seit geraumer Zeit wird man das Gef\u00fchl nicht los, dass gerade bei den Schw\u00e4chsten der Gesellschaft eingespart werden soll, bei jenen, die der Gesellschaft nichts mehr bringen, die nur Kosten verursachen. Bei den Pensionisten, den Alten, den Kranken, bei behinderten Menschen \u2026<\/p>\n<p>Ein alter Slogan von Liedermacher und Rollstuhlfahrer Sigi Maron: Alt, krank, arbeitslos und invalid &#8211; es hilft dem Staat dein Suizid! &#8211; Wir halten dagegen, und dies soll nicht als Drohung verstanden werden: Behinderte Menschen wollen &#8222;ewig&#8220; Leben &#8211; Denn: Was schon jahrelang im \u00d6sterreichischen Gesundheitswesen abl\u00e4uft, kommt eigentlich einem &#8222;Mord auf Raten&#8220; gleich. &#8211; Wir werden &#8222;totgespart&#8220;.<\/p>\n<p><b>Beispiele gef\u00e4llig?<\/b><\/p>\n<p>\u2022 Die j\u00e4hrliche Nichtvalorisierung des Pflegegeldes ist eine Entwertung der gesetzlichen Leistung f\u00fcr Pflegebed\u00fcrftige und spart dem Staat Millionen! Dasselbe trifft \u00fcbrigens auch auf die Kinderbeihilfe zu.<\/p>\n<p>\u2022 Wer zur WGKK geht, um eine Verordnung f\u00fcr einen Heilbehelf einzureichen, wird oft schon am Schalter abgewiesen, ohne \u00fcberhaupt zu den Chef\u00e4rzten vorzudringen. Nur die Beharrlichen und Unbequemen, die sich auskennen, kommen mit viel M\u00fche zu ihrem Recht &#8211; und wieder wird auf Kosten der Betroffenen gespart -, aber nicht nur das, <b><i>sondern die Krankenkasse bittet nun auch noch die Betroffenen zur Kasse &#8211; dies ist eine &#8222;versteckte&#8220; Beitragserh\u00f6hung!<\/i><\/b><\/p>\n<p>Nach einer Reihe offener Briefe, Rechtstreitigkeiten und Radiosendungen wichen die dumpfen Gef\u00fchle mehr und mehr knallharten Fakten. Ein Geheimdokument wurde mir zugespielt, aus dem hervorgeht, auf welche Weise weitere massive Leistungsk\u00fcrzungen und versteckte Beitragserh\u00f6hungen behinderten Personen zugemutet werden.<\/p>\n<p>Dies muss \u00f6ffentlich gemacht werden, denn solange das Gesundheitswesen in ineffizienten f\u00f6deralistischen Strukturen gebunden ist, n\u00fctzen die Sparvorgaben der jeweiligen Bundesregierungen (wie immer wieder kolportiert wird) nichts. Es ist nicht einzusehen, dass in einem der reichsten L\u00e4nder der Welt, immer wieder die \u00c4rmsten der Gesellschaft ausgepresst werden, um die Privilegien der Elite abzusichern.<\/p>\n<p><b>Zitat aus einem Dokument der WGKK vom M\u00e4rz 2010:<\/b><\/p>\n<p>&#8222;Aufgrund der prek\u00e4ren finanziellen Situation der Wiener Gebietskrankenkasse ist das B\u00fcro der Kasse bereits seit Monaten angehalten, m\u00f6gliche Einsparungspotentiale &#8211; ohne Einschr\u00e4nkung des Leistungsangebotes &#8211; ausfindig zu machen. Demnach wurden unter der Voraussetzung einer teilweisen Kosten\u00fcbernahme bzw. einer anderen Kostentr\u00e4gerschaft durch Einrichtungen f\u00fcr Menschen mit Behinderungen, wie z.B. dem Bundessozialamt oder dem Fonds Soziales Wien, in einigen Produktionsbereichen die bislang geltenden Abgabemodalit\u00e4ten unserer Kasse ver\u00e4ndert. Es wurde entschieden dass \u2026 &#8220;<\/p>\n<p><b>Zum Verst\u00e4ndnis<\/b><\/p>\n<p>Der Fonds Soziales Wien (FSW) Privatrechtstr\u00e4ger der Stadt Wien, ist u.a. auch f\u00fcr Leistungen ohne Rechtsanspruch f\u00fcr behinderte Menschen zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Die Kasse wandte sich an die Heilbehelfsfirmen mit einer pikanten Anfrage. Es begann mit der Entscheidung, Krankenbetten, Therapiefahrr\u00e4der und Multifunktionsrollst\u00fchle nicht mehr als Heilbehelfe zu definieren, sondern als &#8222;Einrichtungsgegenst\u00e4nde bzw. Pflegebehelfe, f\u00fcr welche die gesetzliche Krankenversicherung nicht leistungszust\u00e4ndig ist.&#8220;<\/p>\n<p>Ich wiederhole: Notwendige Hilfsmittel, die bisher gesetzliche Leistungen der WGKK darstellten, wurden durch eine \u00c4nderung der Begriffsdefinition aus den Leistungen gestrichen! Die Betroffenen werden also Opfer einer zynischen Wortklauberei.<\/p>\n<p>Der Brief geht weiter: &#8222;Konsequenz dieser Entscheidung ist, dass nunmehr beim Depotverwalter unserer Kasse die Anzahl der eingelagerten Ger\u00e4te permanent ansteigt und die Leistungskapazit\u00e4ten v\u00f6llig ausgesch\u00f6pft sind.&#8220;<\/p>\n<p><b>Warum das?<\/b><\/p>\n<p>Solange diese Leistungen Kassenleistungen waren, waren die Krankenbetten, Therapiefahrr\u00e4der und Multifunktionsrollst\u00fchle Eigentum der WGKK und wurden von dieser auch gelagert. Nun aber hat die WGKK damit nichts mehr zu tun und diese &#8222;Einrichtungsgegenst\u00e4nde&#8220; stehen im Weg herum und verursachen nur Lagerkosten. Darum wandte sich die WGKK hilfesuchend an die Heilbehelfsfirmen mit einem lukrativen Angebot, dieses Lager g\u00fcnstig aufzukaufen.<\/p>\n<p><b>Der Clou<\/b><\/p>\n<p>Ab dieser Entscheidung sind die genannten Heilbehelfe nunmehr Eigentum der Heilbehelfsfirmen, wobei sie von der WGKK nicht mehr als Heilbehelfe, sondern als Pflege-Einrichtungsgegenst\u00e4nde deklariert werden (der innere Widerspruch ist offensichtlich).<\/p>\n<p>F\u00fcr die gro\u00dfen, gewinnorientierten Heilbehelfsfirmen ist das ein respektables Gesch\u00e4ft, das etwa f\u00fcr Standardrollst\u00fchle (Krankenfahrst\u00fchle &#8211; ist dies nun ein Heilbehelf oder ein Pflege-Einrichtungsgegenstand?) folgenderma\u00dfen aussieht:<\/p>\n<p>Tagesmiete: 0,35 Euro (Standardrollstuhl); 0,49 Euro (Standard mit verstellbarer R\u00fcckenlehne, Schwerlast-, Leichtgewicht- oder Trippel-Rollst\u00fchle (zahlt die WGKK an die Heilbehelfsfirmen)<br \/>\nPreis f\u00fcr Abholung Wien: 16,- Euro; Umkreis Wien 40 km: 25,- Euro<br \/>\nMaximaler Einsatz: 80,- &#8211; 100,- Euro (dies ist nat\u00fcrlich von den Betroffenen zu bezahlen)<\/p>\n<p>Pro Jahr fallen so Mietkosten (35 Cent Tagesmiete) von 127,75 Euro an. 10 Jahre musste ein Rollstuhl der WGKK von den Betroffenen genutzt werden.<\/p>\n<p>Realistische Nutzungsdauer? &#8211; Kommt auf den Gebrauch und die Qualit\u00e4t des Rollstuhles an. In einem Pflegeheim wenn die Betroffenen haupts\u00e4chlich geschoben werden, fallen sicherlich fast keine Reparaturen an. Die Mietkosten summieren sich also dann in 10 Jahren auf 1277,50 Euro, vorausgesetzt, diese Preise werden analog zum Pflegegeld nicht valorisiert (was bei einem gewinnorientierten Unternehmen jedoch un\u00fcblich ist).<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass s\u00e4mtliche Reparaturen nicht mehr von der WGKK bezahlt werden m\u00fcssen entweder vom Besitzer (Betroffene) oder Eigent\u00fcmer (nunmehr die Heilbehelfsfirma). Also die Reparaturen werden dann oft von den Betroffenen zu bezahlen sein. In einem Mietnehmervertrag die die Betroffenen bzw. Sachwalter zu Unterschreiben haben, werden die Bedingungen genau definiert. H\u00e4lt man diesen Kosten entgegen, dass die g\u00fcnstigsten (No-Name) Rollst\u00fchle bereits ab 150,- Euro erh\u00e4ltlich sind, greift man sich an den Kopf.<\/p>\n<p>Wer einmal auf einer Reha-Messe war wei\u00df, wie individuell Rollst\u00fchle angepasst werden k\u00f6nnen &#8211; je nach Behinderung und Krankheit. Und Insider wissen, dass die Qualit\u00e4t der Rollst\u00fchle wegen der Gewinnmaximierung immer schlechter wird.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bizeps.or.at\/news.php?nr=11557\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link BIZEPS<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeiten sind hart, das Geld wird knapp. Der Staat muss sparen, um die Systeme zu retten, die Banken zu retten, unseren Wohlstand zu sichern; und das m\u00f6glichst ohne jenen weh zu tun, die wirklich etwas zu verlieren h\u00e4tten.&nbsp; Ein Kommentar von Pepo Meia Seit geraumer Zeit wird man das Gef\u00fchl nicht los, dass gerade&#8230; <a href=\"https:\/\/bmin.info\/WP\/2010\/08\/17\/die-krankenkasse-bittet-die-betroffenen-zur-kasse\/\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Die Krankenkasse bittet die Betroffenen zur Kasse<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-3529","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-info"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3529"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3529\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6685,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3529\/revisions\/6685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}