{"id":4462,"date":"2017-05-23T06:40:55","date_gmt":"2017-05-23T05:40:55","guid":{"rendered":"http:\/\/bmin.info\/WP\/?p=4462"},"modified":"2017-05-28T18:13:26","modified_gmt":"2017-05-28T17:13:26","slug":"pflegegeld-wertverlust-nach-nullrunden-exzess-seit-25-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bmin.info\/WP\/2017\/05\/23\/pflegegeld-wertverlust-nach-nullrunden-exzess-seit-25-jahren\/","title":{"rendered":"Pflegegeld-Wertverlust nach Nullrunden-Exzess seit 25 Jahren"},"content":{"rendered":"<p>Text: <a href=\"http:\/\/www.bmin.info\/Aktivist\/Aktivist\/Lichtenauer.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ing. Gerhard Lichtenauer<\/a><br \/>\nHier einige Gedanken zur Bewusstmachung des Wertverlusts beim Pflegegeld (PG), die mir wichtig erscheinen. Manchmal habe ich es in BIZEPS-Forum- Eintr\u00e4gen oder Facebook-Kommentaren angerissen und zu erkl\u00e4ren versucht, was nicht leicht zu erkl\u00e4ren ist, besonders f\u00fcr Nichtbetroffene.<\/p>\n<p><strong>Der Hammer in der Sache ist die Kumulierung aller Nichtvalorisierungen!<\/strong> In 19 \u201cNullrunden\u201d seit 1993 erfolgte kein Inflationsausgleich. Mit Kumulierung meine ich das kontinuierliche Anh\u00e4ufen (quasi &#8222;Ansparen&#8220;) des Verlusts, sogar mit zus\u00e4tzlichem Negativ-Zinseszinseffekt.<\/p>\n<p>Es geht also darum, dass die PG-Bezieher z.B. auch heuer wieder, wie jedes Jahr, alle bisherigen Nullrunden-Verluste zusammen zu tragen, zu stemmen oder zu erleiden haben und nicht nur die jeweilige Jahres-Nichtanpassung. Ich wei\u00df, es ist etwas schwer zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Ein anderer, einfacherer Erkl\u00e4rungsansatz<\/strong> dieses Effektes ist die Tatsache, dass es jetzt eben um etwa ein Drittel weniger wert ist, als bei der Einf\u00fchrung 1993. Es fehlt also nicht nur der jeweilige Inflationsverlust um einige Prozente. Es fehlen auch nicht 30 bis 32 Prozent (das galt schon vor einigen Jahren, jetzt sind&#8217;s vielleicht schon 33 bis 35 Prozent), sondern es m\u00fcsste derzeit, nur f\u00fcr den Inflationsausgleich, schon <strong>um etwa 50 Prozent erh\u00f6ht werden<\/strong>, um auf das Kaufkraftniveau von 1993 zu kommen (66,6 % mal 1,5 ist 100 %). Das ist zwar nur eine Darstellungsfrage, die aber gleich eine andere Optik hergibt.<\/p>\n<p>Die Versch\u00e4rfung oder der Hammer schlechthin ist eben, dass ja auch in all den Vorjahren schon kr\u00e4ftigst Anpassungen &#8222;eingespart&#8220; (faktisch gek\u00fcrzt!) wurden und die Kumulierung bei Dauer-Langzeitpflege eben die N\u00f6tigung in die Armut insbesondere f\u00fcr pflegende Angeh\u00f6rige von lebenslang Schwerstbehinderten darstellt.<\/p>\n<p>Bei altersbedingter Pflegebed\u00fcrftigkeit, die im Durchschnitt nur etwa f\u00fcnf Jahre bei meist ansteigenden Pflegestufen betr\u00e4gt, geht dieses finanzielle Loch zwar auch auf die Substanz bzw. an die Ersparnisse und Ressourcen der Familien aber viel krasser ist&#8217;s, wenn diese soziale N\u00f6tigung und systemische Diskriminierung mehrere Jahrzehnte bis lebenslang anh\u00e4lt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Betroffenen bedeutet es eine dauernd fortschreitende Reduzierung zukaufbarer Hilfen oder das vermehrte Angewiesensein auf kostenlose oder extrem unterbezahlte Hilfen (Ausbeutung bzw. Selbstausbeutung).<\/p>\n<p><em><strong>Leider wird der Wertverlust mit blo\u00dfer Bezugnahme auf die Nichtvalorisierung meist viel harmloser dargestellt, als er tats\u00e4chlich dramatisch und existenzbedrohend ist.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Ein weiterer Kapitalfehler im Pflegegeldsystem<\/strong>, der kaum angesprochen wird, ist folgender bei den PG-Stufen 5-7: Es m\u00fcsste eine Kategorie jenseits des 7-Stufen-Modells geben, n\u00e4mlich nach tats\u00e4chlichem Aufwand. Das was fr\u00fcher mal als &#8222;offene PG-Stufe&#8220; bezeichnet wurde, ist bald nach PG-Einf\u00fchrung 1993 einfach wieder in der Versenkung verschwunden.<br \/>\nJemand, der etwas mehr als 6 Stunden pro Tag (&gt;180\/Monat) Hilfe braucht, bekommt gleich viel Pflegegeld wie jemand, der tats\u00e4chlich 24 Stunden Unterst\u00fctzungsbedarf hat. Bei echtem (ununterbrochenem) 24-Stunden Hilfebedarf (oder mehr, wie z.B. 26-30 Stunden pro Tag, wenn zeitweise zwei Pflegende\/Betreuende n\u00f6tig sind) bekommt man also nur ein Viertel bis zu einem F\u00fcnftel Unterst\u00fctzung gegen\u00fcber jenen Betroffenen, die nur knapp \u00fcber 180 Stunden Hilfebedarf im Monat (6 Stunden pro Tag) haben.<\/p>\n<p>Obwohl das pauschalierte Pflegegeld auch schon bei einem Bedarf von 6 Stunden pro Tag (180\/Monat) nur ein sehr kleiner Zuschuss von ca. 10 Prozent ist (7 % bis 24 % lt Rechnungshof vom Sept. 2007, Berechnung erfolgte leider nur mit 180 Std. und nicht mit 730 bis 900 Std. pro Monat). Der RH rechnete damals mit einem fiktiven Mindestlohn und ber\u00fccksichtigte irrt\u00fcmlich nur 6 Stunden t\u00e4glichen Bedarf bei den Pflegestufen 5 bis 7. Das hei\u00dft, das Pflegegeld deckt bei einem tats\u00e4chlichen 24-Stunden Hilfebedarf gerade mal nur etwa ein Viertel bis ein F\u00fcnftel dessen ab, was der RH im Jahr 2007 berechnete &#8211; also insgesamt nur etwa 2 bis 6 Prozent des tats\u00e4chlichen Bedarfs. Und 10 Jahre mit vielen PG-Nullrunden sind seither auch schon wieder durchs Parlament gewunken \u00fcber\u2019s Land (her)gezogen.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage, die nie gestellt wird, und wenn ich sie stellte, nie beantwortet wurde, lautet: \u201e<strong>Wer zahlt den &#8222;Rest<\/strong>&#8222;, wer kommt f\u00fcr die offenen 94 bis 98 Prozent \u201cSelbstkostenanteil\u201d auf, insbesondere, wenn soziale Bed\u00fcrftigkeit vorliegt?<br \/>\nAuf die (\u00fcbrigens koalition\u00e4r vertuschte und nun wohl bald mit ihr platzende) \u201cScheinselbst\u00e4ndigkeit\u201d sowie arbeits- und sozialrechtlich v\u00f6llig irregul\u00e4ren Dumpingpreise &#8211; bzw. besser Sklavenl\u00f6hne &#8211; der sog. (bis zu) 24-Stunden-Betreuung einzugehen, w\u00e4re ein Kapitel f\u00fcr sich, bei dem sich Abgr\u00fcnde auftun &#8211; und das werden sie nun auch, im NR-Wahlkampf, denke ich.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag:<\/strong> In folgenden Jahren erhielt das Pflegegeld einen Ausgleich von etwa der jeweiligen Jahresinflation: 1994 mit 2,5%, 1995 mit 2,8% und dann erst wieder 10 Jahre sp\u00e4ter, 2005 mit 2,0%.\u20282009 wurde mehr als die aktuelle Jahresinflation abgegolten, also eine teilweise Nachvalorisierung vorgenommen: Erh\u00f6hung um 4% (Stufen 1 und 2), 5% (Stufen 3 bis 5) und 6% (Stufen 6 und 7).<br \/>\n2011 wurde nur die PG-Stufe 6 um 1,45% (\u20ac 18,- pro Monat) erh\u00f6ht.<br \/>\n2016 wurde das PG in allen Stufen um 2% nachgebessert.\u2028\u2028 Dazwischen gab es also in 19 Jahren (PG 6: 18 Jahren) keinen Ausgleich der Jahresinflation, also \u201cNullrunden\u201d in den Jahren 1996 bis 2004, 2006 bis 2008, 2010 bis 2015 und 2017. Einzig die Nachbesserung von 2009 kompensierte etwa zwei &#8222;Nullrunden&#8220;.<br \/>\nDie teilweisen Inflationsausgleiche seit 2009 wurden jedoch durch massive Einschnitte bei den unteren Pflegestufen querfinanziert. Durch Zugangserschwernisse zu den Pflegestufen 1 und 2, in zwei Etappen (2010 und 2016), erhalten zehntausende Pflegebed\u00fcrftige mit einem Hilfebedarf von monatlich bis zu 65 Stunden nun gar kein Pflegegeld mehr. Vor 2010 lag die Einstiegsschwelle bei 50 Stunden. Die Anspruchsvoraussetzung f\u00fcr PG 2 wurde von 75 Stunden pro Monat auf 95 Stunden gehoben.<\/p>\n<p>Facebook: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/gerhard.lichtenauer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gerhard Lichtenauer<\/a> Herausgeber von &#8222;Katja&#8217;s Blog&#8220;: <a href=\"http:\/\/katja.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">katja.at <\/a><br \/>\nInitiator der \u00d6sterreichischen B\u00fcrgerinitiative &#8222;Daheim statt Heim&#8220;<br \/>\nFacebook-Gruppe: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/316769413935\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Daheim statt Heim&#8220; \u00d6sterreich&#8220;<\/a><\/p>\n<p><strong>Anm.Red.: 10 Jahre \u201eDaheim statt Heim\u201c<\/strong><br \/>\nAm 1. Juni 2007 wurde von Ing. Gerhard Lichtenauer die B\u00fcrgerinitiative \u201eDaheim statt Heim\u201c nach dem deutschen Vorbild auch in \u00d6sterreich ins Leben gerufen.<br \/>\nInterviews mit dem Initiator Gerhard Lichtenauer, Bundestagsabgeordnete der SPD, Frau Silvia Schmidt (Mitglied des BT-Ausschusses f\u00fcr Arbeit und Soziales, Behindertenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion), sowie einem der Erstunterzeichner der deutschen gleichnamigen Initiative, Herr Rolf St\u00f6ckel (Mitglied des BT-Ausschusses f\u00fcr Arbeit und Soziales, Mitglied der AG Menschenrechte und humanit\u00e4re Hilfe).<br \/>\nDie Interviews (Pepo Meia &#8211; 2008) kann man sich auch im <a href=\"https:\/\/cba.fro.at\/9805\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Cultural Broadcasting Archive (CBA)<\/a> anh\u00f6ren. (L\u00e4nge: Ca. 5 Min.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text: Ing. 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In 19 \u201cNullrunden\u201d seit&#8230; <a href=\"https:\/\/bmin.info\/WP\/2017\/05\/23\/pflegegeld-wertverlust-nach-nullrunden-exzess-seit-25-jahren\/\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Pflegegeld-Wertverlust nach Nullrunden-Exzess seit 25 Jahren<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-4462","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-info"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4462"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4462\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4490,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4462\/revisions\/4490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}