{"id":5057,"date":"2018-03-28T07:24:11","date_gmt":"2018-03-28T06:24:11","guid":{"rendered":"http:\/\/bmin.info\/WP\/?p=5057"},"modified":"2018-03-28T07:34:19","modified_gmt":"2018-03-28T06:34:19","slug":"edwin-kremmel-wuerdigung-eines-menschen-der-mutig-eingeschritten-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bmin.info\/WP\/2018\/03\/28\/edwin-kremmel-wuerdigung-eines-menschen-der-mutig-eingeschritten-ist\/","title":{"rendered":"Edwin Kremmel: W\u00fcrdigung eines Menschen, der mutig eingeschritten ist"},"content":{"rendered":"<p>Text: \u00d6A Marktgemeinde Lustenau<br \/>\n<em>Einen sp\u00e4ten Akt der Entschuldigung und eine W\u00fcrdigung f\u00fcr seine herausragende Zivilcourage erfuhr k\u00fcrzlich der 86-j\u00e4hrige Lustenauer Edwin Kremmel. Er hatte im Jahre 1955 einen Pflegez\u00f6gling des Lustenauer Versorgungsheims, eine behinderte junge Frau, die zur Strafe im Kerker weggesperrt war, unerschrocken befreit. Sein beherztes und menschliches Handeln brachte ihm damals ein gerichtliches Nachspiel und gro\u00dfes Ungemach.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_5077\" aria-describedby=\"caption-attachment-5077\" style=\"width: 483px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Ehrung_EdwinKremmel-1803.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5077\" src=\"https:\/\/bmin.info\/WP\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Ehrung_EdwinKremmel-1803-300x229.jpg\" alt=\"\" width=\"483\" height=\"369\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5077\" class=\"wp-caption-text\">V.l.n.r.: Laudator Albert Lingg, B\u00fcrgermeister Kurt Fischer, Isolde und Edwin Kremmel und Rudolf Prinesdomu<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Dokumentationsarchiv \u00f6sterreichischer Heimkinder stie\u00df auf Akten<\/strong><br \/>\nDas Dokumentationsarchiv \u00f6sterreichischer Heimkinder machte die Gemeinde vergangenen Herbst auf den Fall aufmerksam. Die Mitglieder des Archivs waren bei Recherchen nach Misshandlungen von Heimkindern unter 70 000 Akten auf einen betreffenden Zeitungsartikel gesto\u00dfen. Der \u201eWiener Echo\u201c hatte Ende der 1950er Jahre in einer Reihe, in der es um ungerechte Gerichtsverfahren ging, ihre Titelgeschichte Edwin Kremmel und seinem Handeln gewidmet. Mit dem Titel \u201eStrenge Strafe f\u00fcr Menschlichkeit\u201c wurde \u00fcber seine Hilfe f\u00fcr die junge Ingeborg Wilhelm, die im Lustenauer Versorgungsheim untergebracht war, berichtet.<\/p>\n<p><strong>Kerkerstrafe f\u00fcr behinderte Frau<\/strong><br \/>\nDie mental und k\u00f6rperlich behinderte junge Frau war im Herbst 1955 zur Strafe f\u00fcr \u201eungeb\u00fchrliches Verhalten\u201c gegen\u00fcber den betreuenden Ordensschwestern vom Heimverwalter in den Kerker des Heims weggesperrt worden. Ohne Kr\u00fccken fast bewegungsunf\u00e4hig, lag sie tagelang beim Fenster und schrie um Hilfe \u2013sie habe Angst, man lasse sie dort sterben. Edwin Kremmel, damals junger Tischlergeselle im benachbarten Betrieb, konnte sich das nicht l\u00e4nger ansehen und stellte den Verwalter zur Rede, er solle das M\u00e4dchen wieder freilassen, ohne Erfolg. Damit man ihm glaubte, fotografierte er das M\u00e4dchen hinter den Gittern und machte sich auf. Er packte sein Werkzeug, brach die Kerkert\u00fcr auf und brachte das M\u00e4dchen wieder in dessen Zimmer hinauf.<\/p>\n<p><strong>Strafe f\u00fcr Menschlichkeit und unbequeme Wahrheiten<\/strong><br \/>\nF\u00fcr seine Zivilcourage erfuhr Edwin Kremmel vom M\u00e4dchen und den anderen Heimbewohnern gro\u00dfen Dank \u2013 aber nicht von der Gemeinde. Die auch damals verbotene Freiheitsberaubung des Heimz\u00f6glings war nicht lang Thema in der Gemeindevertretung, sondern: Der Heimverwalter erstattete Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Die Gemeindevertretung \u00fcberlie\u00df nach kurzen Diskussionen \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Verhaltens vom Verwalter \u201edie Sache dem Gericht\u201c und so kam es, dass Edwin Kremmel eine bedingte Haftstrafe f\u00fcr sein Tun ausfasste. In Vorarlberg hatte die sozialdemokratische Zeitung \u201eDer Volkswille\u201c den Fall unter \u201eMittelalterliche Methoden\u201c \u00f6ffentlich gemacht, gekontert von einem rechtfertigenden \u201eLeserbrief\u201c im konservativen \u201eVolksblatt\u201c. Dann wurde der Fall zu den Akten gelegt, wo er gut 60 Jahre lagerte. Bis Rudolf Prinesdomu und weitere Mitglieder vom Archiv \u00f6sterreichischer Heimkinder bei ihren Recherchen darauf stie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Umgang mit Schw\u00e4chsten der Gesellschaft<\/strong><br \/>\nWas sp\u00e4ter aus der jungen Frau geworden ist, konnte vom Historischen Archiv Lustenau und dem Meldeamt der Gemeinde im Zuge der jetzt erfolgten W\u00fcrdigung recherchiert werden: Fakt ist, dass Ingeborg Wilhelm nach dem \u00f6ffentlich gewordenen Vorfall von 1955 vom Versorgungsheim weg in die Landeswohlt\u00e4tigkeits- und Irrenanstalt Valduna Rankweil verlegt wurde. Die letzten Jahrzehnte verbrachte sie in Heimen in Tirol, wo sie 2006 in Ried im Oberinntal verstarb. Edwin Kremmel hat das Foto von der wehrlosen Frau, das er damals gemacht hat, bis heute aufbewahrt.<\/p>\n<p><strong>Dank und W\u00fcrdigung durch die Gemeinde und das Dokumentationsarchiv<\/strong><br \/>\nAuch wenn man das Gerichtsurteil und die Strafe heute nicht mehr gutmachen kann, so wollten B\u00fcrgermeister Kurt Fischer und die Gemeindeverantwortlichen die Ungerechtigkeit von damals ins rechte Lot zu r\u00fccken und Edwin Kremmel danken. Beim Ehrenabend, der am 13. M\u00e4rz im Gasthof Kr\u00f6nele stattfand, hob B\u00fcrgermeister Kurt Fischer in seiner W\u00fcrdigung die Zivilcourage von Edwin Kremmel hervor, der nicht wegsah bei einem Unrecht, sondern mutig einschritt und schlug die Br\u00fccke zum heurigen Gedenkjahr 2018.<br \/>\nAuch den Mitgliedern des Dokumentationsarchivs war es ein besonderes Anliegen, Edwin Kremmel pers\u00f6nlich Danke zu sagen. Sie sind gr\u00f6\u00dftenteils selber ehemalige Heimkinder, denen in ihrer Kindheit statt Liebe und Geborgenheit unter staatlicher und kirchlicher Obhut Furchtbares geschah.<br \/>\nRudolf Prinesdomu hob beim Ehrenabend hervor, dass Edwin Kremmels Verhalten eine gro\u00dfe Ausnahme war: \u201eUnter all den 70 000 gesichteten Akten fanden wir nur zwei Beispiele, wo ein Unbeteiligter bei wahrgenommenen Misshandlungen eingeschritten ist. Sie haben eben nicht weggesehen, ein wahrer Mitmensch mit aufrechtem Gang. Danke, Herr Kremmel.\u201c<\/p>\n<p>Der komplette Artikel: <a href=\"https:\/\/www.lustenau.at\/de\/neuigkeiten\/wuerdigung-eines-menschen-der-mutig-eingeschritten-ist\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Homepage der Marktgemeinde Lustenau<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text: \u00d6A Marktgemeinde Lustenau Einen sp\u00e4ten Akt der Entschuldigung und eine W\u00fcrdigung f\u00fcr seine herausragende Zivilcourage erfuhr k\u00fcrzlich der 86-j\u00e4hrige Lustenauer Edwin Kremmel. Er hatte im Jahre 1955 einen Pflegez\u00f6gling des Lustenauer Versorgungsheims, eine behinderte junge Frau, die zur Strafe im Kerker weggesperrt war, unerschrocken befreit. 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