{"id":5809,"date":"2019-01-07T22:06:13","date_gmt":"2019-01-07T21:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/bmin.info\/WP\/?p=5809"},"modified":"2019-01-09T08:45:59","modified_gmt":"2019-01-09T07:45:59","slug":"behinderte-menschen-nicht-erwuenscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bmin.info\/WP\/2019\/01\/07\/behinderte-menschen-nicht-erwuenscht\/","title":{"rendered":"Behinderte Menschen nicht erw\u00fcnscht"},"content":{"rendered":"<p>Text: Dr. Erwin Riess &#8211; ein Kommentar (Erstver\u00f6ffentlichung: Stadtzeitung Augustin Dez. 2018)<br \/>\nF\u00fcr behinderte Menschen ist das Kunsthistorische Museum (KHM) eine einzige Zumutung. Das war vor drei\u00dfig Jahren so, es war vor zehn Jahren so, als \u00d6sterreich die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnete, und es wird, bedenkt man die abweisende, unfreundliche und diskriminierende Art mancher Museumsangestellten, besonders aber an der Kasse und der Information, auch in hundert Jahren so sein.<\/p>\n<p>Zu den Fakten: Man kann als behinderter Mensch das Museum nur von einem Nebeneingang betreten. Dort wartet ein Schranken, ein Mitarbeiter wird gerufen, das dauert. Sobald der Mitarbeiter da ist, lotst er einen \u00fcber einen offenen Innenhof mit unertr\u00e4glich holprigem Pflaster \u2013 Menschen mit Kr\u00fccken oder Rollatoren h\u00e4tten hier keine Chance.<\/p>\n<p>Wenn es regnet, schneit oder hagelt, ist man den Naturgewalten schutzlos ausgesetzt. Dann geht es in einen dunklen Kohlengang, in dem eine Stufe wartet, die durch eine improvisierte Rampe nur unzul\u00e4nglich erschlossen ist. Benutzer_innen eines Elektrorollstuhls kommen hier an eine Grenze. Schlie\u00dflich steht man vor einer Liftt\u00fcr und wartet lange. Sehr lange.<\/p>\n<p>Der Mitarbeiter tr\u00f6stet mit der Mitteilung, dass es manchmal eine halbe Stunde dauert, bis der Lift kommt, er sei permanent \u00fcberlastet. Diese Zeit nutzt der an einem Sprechdurchfall leidende Mitarbeiter, einem die Ohren vollzuplappern, man kann sich, da man ja auf den Lift wartet, der Zudringlichkeit nicht erwehren. In der Kabine ist wenig Platz, aber man kommt endlich in den Kassenraum.<\/p>\n<p>In den Museumsshop kann man nicht vordringen, dort gibt es Stufen ohne eine Hebeplattform. Dann darf man sich als Rollstuhlfahrer in einer langen Schlange anstellen.<br \/>\n<strong><br \/>\nZum Vergleich\u2028<\/strong><br \/>\nIn den gro\u00dfen Museen der Welt in London, den USA und den meisten anderen L\u00e4ndern, ist es seit Jahrzehnten gute \u00dcbung, dass behinderte Menschen, die ja oft zus\u00e4tzliche Hilfe brauchen, automatisch an den Warteschlangen zu einem eigenen Schalter vorgebeten werden und ihre Karten erhalten.\u2028Schlie\u00dflich wird man von einem Mitarbeiter oder einer Mitabeiterin zu einem Lift gef\u00fchrt und das wieder an der Warteschlange vorbei. (Whitney Museum und Guggenheim Museum\/New York, Louvre\/Paris, British Museum\/London, Pergamonmuseum\/Berlin u. v. m.)<br \/>\n<strong><br \/>\nAnm.<\/strong>: International ist so, da\u00df Rollstuhlnutzer sich deshalb nicht anstellen m\u00fcssen, u.a., weil das Vorw\u00e4rts-Ruckeln mit dem Rollstuhl sehr m\u00fchsam ist, wenn man den Leuten nicht auf die Fersen fahren will. Au\u00dferdem sieht man in sitzender Position nicht, da man von stehenden Menschen umgeben ist. Es ist auch ein Akt der H\u00f6flichkeit.<\/p>\n<p>Nicht so im Kunsthistorischen Museum. Ist man nach zwanzig Minuten Wartezeit endlich an der Reihe, er\u00f6ffnet einem die unfreundliche Kassendame in einem herablassenden Ton, dass man in zwei Stunden ein \u00abZeitfenster\u00bb erhalte, dann k\u00f6nne man f\u00fcr zwanzig Minuten die Brueghel-Ausstellung besuchen.<\/p>\n<p>Man m\u00fcsse aber damit rechnen, dass der Lift \u00fcberlastet sei und dementsprechend wenig Zeit \u00fcbrigbleibe. Nachdem man bisher fast eine Stunde zugebracht hat, um zur Kasse vorzudringen, ist das eine niederschmetternde Nachricht, deren Botschaft lautet: Behinderte Menschen sind im Kunsthistorischen Museum unerw\u00fcnscht. H\u00f6fliche und freundliche Umgangsformen des Personals ebenso.<\/p>\n<p>Dahinter steckt nicht die in Wien verbreitete uneigenn\u00fctzige Gemeinheit, dahinter steckt System. Die Leitung des Museums sollte sich der \u00d6ffentlichkeit stellen. Ferner, so die harsche Dame an der Kasse, gebe es f\u00fcr behinderte Menschen auch keine Erm\u00e4\u00dfigung, auch die Begleiterin m\u00fcsse den teuren Vollpreis bezahlen.<\/p>\n<p>Subtext: Was m\u00fcssen behinderte Menschen den \u00abGesunden\u00bb auch die Pl\u00e4tze verstellen, sie sollen besser in ihren Heimen oder zuhause bleiben und Licht ins Dunkel schauen.<\/p>\n<p><strong>Anm. Red.<\/strong>: Ortskundige Rollstuhlnutzer wissen \u00fcber die mangelnde Barrierefreiheit im Kunsthistorischem Museum (KHM) aber auch dem gegen\u00fcberliegenden Naturhistorischem Museum (NHM) bescheid.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text: Dr. Erwin Riess &#8211; ein Kommentar (Erstver\u00f6ffentlichung: Stadtzeitung Augustin Dez. 2018) F\u00fcr behinderte Menschen ist das Kunsthistorische Museum (KHM) eine einzige Zumutung. 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