{"id":6991,"date":"2019-10-08T18:56:13","date_gmt":"2019-10-08T17:56:13","guid":{"rendered":"https:\/\/bmin.info\/WP\/?p=6991"},"modified":"2019-10-09T10:22:57","modified_gmt":"2019-10-09T09:22:57","slug":"geduld-der-behindertenverbaende-erschoepft-forderungen-an-die-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bmin.info\/WP\/2019\/10\/08\/geduld-der-behindertenverbaende-erschoepft-forderungen-an-die-politik\/","title":{"rendered":"Geduld der Behindertenverb\u00e4nde ersch\u00f6pft \u2013 Forderungen an die Politik"},"content":{"rendered":"<p>Text: \u00d6ZIV<br \/>\n<em><strong>\u2028Realisierung des inklusiven Arbeitsmarktes \u2013 Schaffung eines Staatssekretariats\u2028<\/strong><\/em><br \/>\nWien (OTS) &#8211; Es ist nicht weiter hinzunehmen, dass sich die Situation von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt verschlechtert und dies weitgehend ignoriert wird. W\u00e4hrend aufgrund der guten Wirtschaftslage die Arbeitslosigkeit insgesamt erfreulicherweise sinkt, steigt die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderungen seit Monaten kontinuierlich weiter. So ging im September 2019 die Arbeitslosigkeit insgesamt um 2,8 Prozent zur\u00fcck, in der Gruppe mit Menschen mit Behinderungen gab es hingegen einen Anstieg um 4,0 Prozent. Seit 2007 ist die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderungen um fast 140% gestiegen. Der vom AMS-Verwaltungsrat k\u00fcrzlich beschlossene AMS-Algorithmus, der Menschen mit Behinderungen ohne Beg\u00fcnstigung automatisch in die Gruppe einteilt, f\u00fcr die die wenigsten Unterst\u00fctzungsleistungen zur Verf\u00fcgung stehen, wird die Lage wesentlich verschlimmern statt verbessern, bef\u00fcrchten Expert*innen.<\/p>\n<p>Die Behindertenverb\u00e4nde \u00fcben massiv Kritik an diesen Entwicklungen. Allen voran Herbert Pichler, Pr\u00e4sident des \u00d6sterreichischen Behindertenrates: \u201eDer AMS-Algorithmus ist f\u00fcr alle Menschen diskriminierend. Vor allem Menschen mit Behinderungen werden weiterhin benachteiligt. Wir wenden uns gegen die automatische Einstufung von Menschen mit Behinderungen in die Kategorie C\u201c.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung seitens der Politik w\u00e4re vorhanden. So haben sich fast alle Spitzenkandidat*innen im Interview in der Sonderedition der Zeitschrift \u201emonat\u201c (September 2019) gegen die automatische Einstufung von Menschen mit Behinderungen ausgesprochen.<\/p>\n<p><strong>\u2028\u2028St\u00e4ndige Verz\u00f6gerung unverst\u00e4ndlich<br \/>\n<\/strong>Um den Benachteiligungen nachhaltig entgegenzuwirken, pl\u00e4dieren die gro\u00dfen Behindertenverb\u00e4nde schon lange f\u00fcr die Umsetzung eines Inklusiven Arbeitsmarktes. Forderungen und Vorschl\u00e4ge, die im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes 2021 bis 2030 seinen Niederschlag finden sollen, liegen dazu l\u00e4ngst am Tisch und warten darauf umgesetzt zu werden. Markus Neuherz, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von dabei-austria dazu: \u201eUnverst\u00e4ndlich f\u00fcr die Organisationen und f\u00fcr Menschen mit Behinderungen ist, warum der Prozess sich st\u00e4ndig verz\u00f6gert. Dass berufliche Inklusion funktioniert, zeigen zahlreiche Beispiele aus dem Netzwerk berufliche Assistenz, kurz NEBA. So hat die Arbeitsassistenz allein im Jahr 2018 6.655 Menschen mit Behinderungen erfolgreich unterst\u00fctzt Besch\u00e4ftigungen zu finden und abzusichern.<\/p>\n<p>\u201c\u2028\u2028Rund 90 Mitglieds-Organisationen, die der Dachverband dabei-austria vertritt, stellen zahlreiche Angebote im Bereich beruflicher Integration zur Verf\u00fcgung. Eine davon ist der \u00d6ZIV, der neben einem Arbeitsassistenz-Projekt in Nieder\u00f6sterreich, auch ein bundesweites Coaching-Angebot f\u00fcr Menschen mit Behinderungen durchf\u00fchrt (\u00d6ZIV Support) und Barrierefrei-Beratungen f\u00fcr Unternehmen anbietet. \u201eSowohl Menschen mit Behinderungen als auch Unternehmen m\u00fcssen k\u00fcnftig die M\u00f6glichkeit haben, auf ein vielf\u00e4ltiges F\u00f6rder- und Ma\u00dfnahmenb\u00fcndel zugreifen zu k\u00f6nnen. Speziell im betrieblichen Bereich gibt es hier noch deutlichen Aufholbedarf. Umfassende Barrierefreiheit und ein Inklusives Arbeitsumfeld sind unbedingte Voraussetzung zur Verbesserung der Besch\u00e4ftigungsquote\u201c, so \u00d6ZIV-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Gernot Reinthaler.<\/p>\n<p>Eng damit verkn\u00fcpft sind die Forderungen nach einer Inklusiven Schulpolitik, einem Solidarit\u00e4tsbeitrag f\u00fcr Unternehmen, die bundesweite Regelung der Pers\u00f6nlichen Assistenz und dass Menschen mit Behinderungen vor allem in Betreuungseinrichtungen anst\u00e4ndig bezahlt und versichert werden. \u201eLohn statt Taschengeld!\u201c, fordert Hanna Kamrat von der Lebenshilfe \u00d6sterreich in diesem Zusammenhang.<\/p>\n<p>Cornelia Scheuer vom Verein \u201eBIZEPS\u201c weist zudem auf die Wichtigkeit der Pers\u00f6nlichen Assistenz hin: \u201ePers\u00f6nliche Assistenz ist f\u00fcr viele Menschen mit Behinderungen die Grundlage mit der Selbstbestimmung und individuelle Lebensgestaltung erst m\u00f6glich ist. Die Pers\u00f6nliche Assistenz im Privatbereich ist derzeit L\u00e4ndersache und hat 9 verschiedene Regelungen. &#8211; dies stellt eine massive Ungleichbehandlung dar. Deshalb braucht es eine bundeseinheitliche Regelung!\u201c<\/p>\n<p>Michael Svoboda, Pr\u00e4sident des KOBV, verweist auf das KOBV-Programm \u201eF\u00f6rdern statt Strafen\u201c und fordert den Ersatz der Ausgleichstaxe durch einen Behindertenbesch\u00e4ftigungsbeitrag (0,3% der Lohnsumme). Im Gegenzug sollen Unternehmen, die Menschen mit Behinderungen besch\u00e4ftigen, entsprechende Pr\u00e4mien und F\u00f6rderungen erhalten.<\/p>\n<p><strong>Gemeinsame Herausforderung im Sinne von Menschen mit Behinderungen<br \/>\n<\/strong>\u201eWir stehen vor gro\u00dfen Herausforderungen, die wir gemeinsam mit Politik und Wirtschaft bew\u00e4ltigen m\u00fcssen und wir fordern die brennenden Anliegen von Menschen mit Behinderungen endlich ernst zu nehmen!\u201c, so der einhellige Appell der Behindertenverb\u00e4nde an die Politik.<\/p>\n<p>Zur Umsetzung der Vorschl\u00e4ge und die Weiterentwicklung des Nationalen Aktionsplanes 2021 bis 2030 fordern die Vertreter*innen der Behindertenorganisationen die Schaffung eines Staatssekretariates f\u00fcr Inklusionspolitik, Gleichbehandlung und Pflege, auch um in \u00d6sterreich den Nachholbedarf im Bereich Inklusion voranzutreiben.<br \/>\nAuch die zentralen Themenstellungen, in der UN-Behindertenrechtskonvention die \u00d6sterreich bereits seit 2008 ratifiziert hat, warten noch auf eine L\u00f6sung. Es braucht eine anerkannte Pers\u00f6nlichkeit, die die Problemlage versteht, gut vernetzt ist und \u00fcbergreifend auf die Ressorts einwirkt, um den Weg in eine inklusive Gesellschaft zu ebnen\u201c, ist Herbert Pichler \u00fcberzeugt und erwartet sich die Ber\u00fccksichtigung und Vorschl\u00e4ge der Behindertenverb\u00e4nde schon in den Koalitionsverhandlungen.<\/p>\n<p><b>Anm.<\/b>: Das <a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3139640\/\">Ergebnis der Nationalratswahl<\/a> 2019 (Quelle orf.at) endete mit einem starken Zuwachs f\u00fcr \u201eDie GR\u00dcNEN\u201c (auf 13,9%) und \u00d6VP (auf 37,5%). Auch die NEOS konnten sich \u00fcber 8,1% freuen. Wahlverlierer waren SP\u00d6 (21,2%) und FP\u00d6 (16,2%). Die Liste JETZT schaffte den Einzug in den Nationalrat nicht mehr &#8211; m\u00f6chte aber bei der kommenden Landtagswahl in Wien wieder antreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text: \u00d6ZIV \u2028Realisierung des inklusiven Arbeitsmarktes \u2013 Schaffung eines Staatssekretariats\u2028 Wien (OTS) &#8211; Es ist nicht weiter hinzunehmen, dass sich die Situation von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt verschlechtert und dies weitgehend ignoriert wird. 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