{"id":6994,"date":"2019-10-08T15:34:30","date_gmt":"2019-10-08T14:34:30","guid":{"rendered":"https:\/\/bmin.info\/WP\/?p=6994"},"modified":"2019-10-09T09:35:07","modified_gmt":"2019-10-09T08:35:07","slug":"sozialstaatsenquete-zukunft-des-oesterreichischen-pflegesicherungssystems","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bmin.info\/WP\/2019\/10\/08\/sozialstaatsenquete-zukunft-des-oesterreichischen-pflegesicherungssystems\/","title":{"rendered":"Sozialstaatsenquete: Zukunft des \u00f6sterreichischen Pflegesicherungssystems"},"content":{"rendered":"<p>Text: Hauptverband der \u00f6sterr. Sozialversicherungstr\u00e4ger<br \/>\n<em>Hauptverband der \u00f6sterreichischen Sozialversicherungstr\u00e4ger und WIFO widmen sich im Rahmen der 13. Sozialstaatsenquete der Leistungsf\u00e4higkeit unterschiedlicher Pflegesicherungssysteme.<\/em><\/p>\n<p>Wien (OTS) &#8211; Die demographische Entwicklung der kommenden Jahrzehnte l\u00e4sst in \u00d6sterreich eine stark anwachsende Zahl an alten und hochaltrigen sowie auch pflegebed\u00fcrftigen Menschen erwarten. Derzeit beziehen bereits rund 460.000 Menschen in \u00d6sterreich Pflegegeld. 2,6 Mrd. Euro Pflegegeld wurden 2018 ausbezahlt. \u201eDurch die\u00a0grunds\u00e4tzliche positive Entwicklung einer immer \u00e4lter werdenden Gesellschaft, die wir auch unserem solidarischen Gesundheitssystem zu verdanken haben, werden h\u00f6here Kosten der \u00f6ffentlichen Hand prognostiziert\u201c, so der Vorsitzende des Verbandsvorstands im Hauptverband der \u00f6sterreichischen Sozialversicherungstr\u00e4ger, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexander_Biach\">Alexander Biach<\/a>.<\/p>\n<p>Berechnungen des \u00d6sterreichischen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (WIFO) zeigen eine deutliche Erh\u00f6hung der \u00f6ffentlichen Ausgaben f\u00fcr Pflegedienstleistungen von \u00fcber 300% bis 2050. Das entspricht einer durchschnittlichen j\u00e4hrlichen realen Steigerungsrate von 4,4%. Im Rahmen der 13. Sozialstaatsenquete besch\u00e4ftigen sich Expertinnen und Experten nun mit der Zukunft unseres Pflegesicherungssystems und vergleichen daf\u00fcr andere Systeme untereinander.<\/p>\n<p>\u201eObwohl im Wahlkampf viel dar\u00fcber geredet wurde, liegen nach wie vor keine belastbaren Konzepte zur zuk\u00fcnftigen Organisation und Finanzierung des Pflegewesens am Tisch. Die n\u00e4chste Bundesregierung wird sich dieser Herausforderung allerdings endlich stellen m\u00fcssen \u2013 das sollte bei den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen au\u00dfer\u00a0Streit gestellt werden\u201c, so WIFO-Leiter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christoph_Badelt\">Christoph Badelt<\/a>.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich hat im europ\u00e4ischen Vergleich mit rund 1,5% der Wirtschaftsleistung bislang verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringe Ausgaben f\u00fcr die Langzeitpflege. Die europ\u00e4ischen L\u00e4nder geben zwischen 2,9% (Norwegen) und 0,12% (Griechenland) der Wirtschaftsleistung aus. W\u00e4hrend derzeit z.B. in Norwegen die \u00f6ffentlichen Leistungen der\u00a0Langzeitpflege durch das allgemeine Steueraufkommen finanziert werden, ist die Langzeitpflege in Deutschland in einem Pflegeversicherungssystem als weitere S\u00e4ule der Sozialversicherung (neben der Pensions-, Kranken und Unfallversicherung) beitragsfinanziert.<\/p>\n<p>Im Rahmen der 13. Sozialstaatsenquete wurden die Vor- und Nachteile einer Finanzierung der Pflegeausgaben \u00fcber Steuern sowie \u00fcber ein Beitragssystem durch die Sozialversicherung diskutiert. \u201eDie Wirkungen eines Steuer- bzw. Beitragssystems h\u00e4ngen von den konkreten Ausgestaltungen ab. Eine Pflegeversicherung ohne begleitende\u00a0Abgabenstrukturreform h\u00e4tte negative Auswirkungen auf Besch\u00e4ftigung und Wachstum.\u201c, erkl\u00e4rt dazu die stellvertretende Leiterin des WIFO <a href=\"https:\/\/www.wifo.ac.at\/ulrike_famira-muehlberger\">Ulrike Famira-M\u00fchlberger<\/a>.<\/p>\n<p>In Deutschland wurde seit 1995 der Weg einer Pflegeversicherung in Form einer gesetzlichen Pflichtversicherung gew\u00e4hlt. Auch f\u00fcr \u00d6sterreich wird nun von mehreren Seiten eine solche Versicherung angedacht. \u201eDas deutsche Beispiel zeigt, dass eine Sozialversicherung ein geeignetes Instrument ist, um gleicherma\u00dfen die famili\u00e4re Pflege\u00a0zu unterst\u00fctzen und eine ausreichende Pflegeinfrastruktur in der ambulanten und station\u00e4ren Pflege zu gew\u00e4hrleisten. Werden die Leistungen der Pflegeversicherung jedoch nicht an die Preisentwicklung f\u00fcr Pflegeleistungen angepasst, droht ein Verlust der Funktionsf\u00e4higkeit des Versicherungssystems und Pflegebed\u00fcrftigkeit wird wieder zum Armutsrisiko\u201c, so der Direktor des Zentrums f\u00fcr Sozialpolitik der Universit\u00e4t Bremen <a href=\"https:\/\/www.socium.uni-bremen.de\/ueber-das-socium\/mitglieder\/heinz-rothgang\/\">Heinz Rothgang<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.med.uio.no\/helsam\/english\/people\/aca\/tiversen\/\">Tor Iversen<\/a> von der Universit\u00e4t Oslo betont die unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen Pflegesicherungssysteme. \u201eDezentrale Steuerfinanzierung f\u00f6rdert das Angebot, Priorit\u00e4ten und Kostenbewusstsein auf lokaler Ebene. Dies f\u00fchrt auch zu regionalen Unterschieden beim Zugang zur Langzeitpflege und bei der Qualit\u00e4t der<br \/>\nDienstleistungen, die auf unterschiedliche regionale Einkommen und Priorit\u00e4ten zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Durch eine zentralisierte Finanzierung mit detaillierter Zugangs- und Qualit\u00e4tsregulierung k\u00f6nnen regionale Unterschiede auf Kosten der lokalen Angebote, der Priorit\u00e4ten und des Kostenbewusstseins verringert werden. Die Auswahl\u00a0eines geeigneten Systems erfordert sowohl eine detaillierte Analyse der Eigenschaften alternativer Systeme als auch die Erkenntnis, dass unterschiedliche Systeme bei den verschiedenen Zielen, die verfolgt werden sollen, unterschiedlich abschneiden\u201c, so Iversen.<\/p>\n<p><strong>Als eine notwendige sofortige Ma\u00dfnahme zur Sicherung der Pflege wird eine gesetzlich verpflichtende j\u00e4hrliche Valorisierung des Pflegegeldes genannt, die ab 1. J\u00e4nner 2020 in Kraft tritt. \u201eAngesichts der wenigen ad-hoc-Anpassungen seit 1993 hat das Pflegegeld seit der Einf\u00fchrung deutlich an Wert verloren. Daher ist die im Sommer beschlossene verpflichtende Valorisierung ein wichtiger Schritt, damit sich Pflegebed\u00fcrftige auch in Zukunft auf den Sozialstaat verlassen k\u00f6nnen und nicht in die Armut abrutschen\u201c, so Alexander Biach.<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Bereich ist die h\u00e4usliche Pflege. Dabei ist neben der finanziellen und personellen Unterst\u00fctzung von pflegenden Angeh\u00f6rigen auch ein besonderes Augenmerk auf Kinder und Jugendliche zu legen, die regelm\u00e4\u00dfig ein chronisch krankes Familienmitglied pflegen. \u201eEs ist hierbei dringend geboten, umfangreiche Entlastung durch\u00a0professionelle Pflege sicherzustellen, damit diese Kinder und Jugendlichen gesund und integriert in der Gesellschaft aufwachsen k\u00f6nnen\u201c, so Biach.<\/p>\n<p>\u201eDas Zukunftsthema Pflege muss ins Zentrum gestellt werden. Es braucht hier einen partei\u00fcbergreifenden politischen Willen, ein belastbares Pflegesicherungssystem zu schaffen, dass den demographischen Entwicklungen gewachsen ist\u201c, so Biach. \u201eEs werden daf\u00fcr zus\u00e4tzliche Mittel ben\u00f6tigt. Ich warne aber davor durch Umschichtungen finanzielle Mittel aus anderen Bereichen des Gesundheitssystems zu entnehmen. Wir brauchen hier ein nachhaltiges Finanzierungskonzept, das nicht unsere Sozialversicherungen weiter belastet\u201c, so Alexander Biach abschlie\u00dfend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text: Hauptverband der \u00f6sterr. Sozialversicherungstr\u00e4ger Hauptverband der \u00f6sterreichischen Sozialversicherungstr\u00e4ger und WIFO widmen sich im Rahmen der 13. Sozialstaatsenquete der Leistungsf\u00e4higkeit unterschiedlicher Pflegesicherungssysteme. Wien (OTS) &#8211; Die demographische Entwicklung der kommenden Jahrzehnte l\u00e4sst in \u00d6sterreich eine stark anwachsende Zahl an alten und hochaltrigen sowie auch pflegebed\u00fcrftigen Menschen erwarten. 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