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Schlichtungen könnten auch erfolgreich sein

Schlichtungen könnten auch erfolgreich sein published on

Text: Kornelia Götzinger, Pepo Meia
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg
In den letzten Jahren konnte man den Eindruck gewinnen, dass mit dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) immer weniger Menschen mit Behinderung Erfolge erzielen. So gibt es nach wie vor keinen Anspruch des Einzelnen auf Unterlassung oder Beseitigung der Diskriminierung. Auch die Hemmschwellen sind für gerichtliche Geltendmachung wegen des Prozessrisikos ein großer Nachteil für die Betroffenen. So ist auch der Begriff „Zumutbarkeit“ ein dehnbarer und nicht wirklich effizient anwendbar.

Es gibt trotzdem Erfolge, wie das Beispiel der Vereinigten Bühnen Wiens (VBW) zeigt.

Man wundert und ärgert sich immer wieder, dass die Rollstuhlplätze auf diversen Webseiten und Homepages – so auch im Raimundtheater und im Ronacher – weder ausgewiesen, bzw. am Plan gekennzeichnet sind, und auch, dass sie nicht in der Sitz- und Preisklasse aufscheinen.
Aus früheren Besuchen wusste ich, Kornelia Götzinger (KG), dass beide Theater Rollstuhlplätze haben, wusste aber nicht, wie viele und mit welchen Preisen Rollstuhlfahrer (und deren Begleitperson) zu rechnen haben. So initiierte ich eine Schlichtung.

Schlichtungen bergen jedoch immer die Gefahr, dass der „Gegner“ nicht erscheint. Bei dieser Schlichtung hatte ich allerdings Glück. Ein junger, schick angezogener Mann stellte sich meinem Vorwurf der Diskriminierung, dass die Rollstuhlplätze in der Auflistung nicht vorhanden sind.

Problem erkannt – Lösung gefunden
Der junge Mann entschuldigte sich gleich in seinem Eingangsstatement und hatte auch schon eine umgesetzte Lösung parat. Er meinte: „Ja Sie haben recht, die Rollstuhlplätze sind nicht aufgelistet. Und stellen Sie sich vor, ich habe alle Kollegen in der Direktion gefragt, ob ihnen aufgefallen sei, dass die Rollstuhlplätze nicht aufgelistet sind und alle waren verwundet, dass diese Kategorie anscheinend vergessen wurde.“ Und weiter: „Daraufhin habe ich sofort eine eigene Kategorie für Rollstuhlfahrer auf der Homepage einfügen lassen.“ Er hat mir den Ausdruck dieser Seite gezeigt und die Schlichtung war innerhalb von 10 Minuten zu meiner Zufriedenheit und höchstwahrscheinlich auch vieler anderer kunstinteressierter Rollstuhlfahrer erledigt.

Homepage erneut geändert – wieder keine Information – keine Rollstuhlkategorie
Leider musste ich (KG) feststellen, dass in der Zwischenzeit die Homepage wieder geändert wurde und leider die Rollstuhlkategorie erneut weggefallen ist.

Vereinigte Bühnen Wien: Bühnenplan wieder ohne Rollstuhlplätze
musicalvienna.at

Ergebnisse im Suchregister:
Jedoch wenn man den Begriff „Rollstuhl“ ins Suchfeld eingibt, gibt es eine eigene Seite mit Informationen:
Häufig gestellte Fragen:
https://www.musicalvienna.at/de/hilfe/question/28/Gibt-es-in-den-Theatern-Rollstuhlplaetze
Häufig gestellte Fragen:
https://www.musicalvienna.at/de/hilfe/24/Menschen-mit-Einschraenkungen

Anm.: Man könnte erwarten, dass bei der Kulturhauptstadt Europas Webdesigner am Werk sind, die ihr auch Handwerk verstehen. Da vorerst alle Veranstaltungen wegen COVID-19 abgesagt wurden, könnte man ja die Zeit nutzen, um die Homepage auf den neuesten Stand (mit einer Rollstuhlkategorie) zu bringen.

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